Kaufberatung: Worauf Sie bei Kinderwagen achten sollten
Was ist ein Kombikinderwagen?
Ein Kombikinderwagen besteht aus einem Gestell mit vier Rädern und zwei austauschbaren Aufbauten. Für die ersten Monate dient die Babywanne, in der das Kind flach liegt. Später wird sie gegen den Sportsitz getauscht, der in Fahrtrichtung oder zu den Eltern gerichtet montiert werden kann. Die meisten Hersteller geben den Sportsitz bis 22 kg an, das entspricht etwa vier Jahren.
Im Handel finden sich mehrere Bezeichnungen. Bei einem Set mit 2in1 sind Wanne und Sitz enthalten. Ein 3in1 bringt zusätzlich eine Babyschale für das Auto mit, bei einem 4in1 kommt häufig eine Isofix-Basis hinzu. Wichtig ist, was im Lieferumfang tatsächlich steckt: Bei manchen Angeboten ist die Babyschale nur gegen Aufpreis oder gar nicht dabei.
Dieser Vergleich enthält nur Geräte mit Babywanne und Sportsitz. Reine Buggys, die erst ab etwa sechs Monaten genutzt werden, sind ausgenommen.
Daneben gibt es Kinderwagen mit einem Liegesitz, der sich ab der Geburt flach stellen lässt und ohne getrennte Wanne auskommt. Diese Bauart spart Gewicht und Platz, bietet dem Neugeborenen aber meist weniger Liegefläche als eine echte Wanne. Wer ausdrücklich eine Babywanne wünscht, sollte im Datenblatt nach der Wannenlänge und dem Höchstgewicht der Wanne suchen.
Babywanne: worauf es ankommt
Die Babywanne ist für die ersten Lebensmonate gedacht. Die Hersteller nennen dafür meist ein Höchstgewicht von 9 kg oder ein Alter von etwa sechs Monaten, so etwa bei Maxi-Cosi, Cybex und Lionelo. Sobald sich das Kind selbstständig hochstemmt oder die Wanne ausfüllt, ist der Wechsel zum Sitz fällig.
Entscheidend sind drei Werte. Die Länge der Wanne zeigt, wie lange das Kind darin bequem liegt. In diesem Vergleich reicht sie von rund 77 cm bis rund 90 cm. Die Matratze sollte fest und atmungsaktiv sein, Netzfenster und ein verstellbares Verdeck helfen bei Wärme. Dazu kommt das Gewicht der Wanne: Wer sie oft ins Auto oder in die Wohnung trägt, spürt den Unterschied zwischen 4,5 kg und 5,5 kg.
Die Hersteller verweisen für Kinderwagen auf die Normen EN 1888-1 und EN 1888-2 und für Babytragetaschen auf EN 1466. Ein Hinweis auf diese Normen im Datenblatt ist ein sinnvoller Mindeststandard.
Einige Wannen haben einen Tragegriff, etwa die Wanne des Cybex-Sets und die des Lionelo Mika Plus. Das erleichtert den Wechsel zwischen Gestell und Wohnung. Eine Babywanne ersetzt allerdings keine Babyschale für die Autofahrt. Wer das Kind im Auto transportiert, braucht eine dafür zugelassene Schale.
Sportsitz und Rückenlehne
Der Sportsitz nimmt das Kind ab dem Zeitpunkt auf, zu dem es nicht mehr in der Wanne liegen soll. Viele Sitze lassen sich bis in eine annähernd flache Liegeposition verstellen, mehrere Hersteller geben sie sogar ab der Geburt frei. Maßgeblich ist die Angabe im Datenblatt, nicht die Bezeichnung des Sets.
Achten Sie auf eine dreistufige oder mehrstufige Rückenlehne, eine verstellbare Fußstütze und einen Fünf-Punkt-Gurt. Praktisch ist ein Sitz, der sich wenden lässt, sodass das Kind wahlweise zu Ihnen oder nach vorn schaut. Die Belastung liegt bei den meisten Geräten bei 22 kg, nur das günstige Kesser-Set nennt 20 kg.
Eine lange Sitzliegefläche ist bei größeren Kindern ein Vorteil. Die Angaben reichen im Vergleich von rund 92 cm bis rund 98 cm, sofern sie genannt werden.
Zum Sitz gehört außerdem ein Sicherheitsbügel, der sich abnehmen oder wegklappen lässt, und ein Sonnenverdeck, das sich erweitern lässt. Ein Sitz mit mehreren Stufen für Rückenlehne und Fußstütze wächst mit dem Kind mit. Je flacher sich die Lehne stellen lässt, desto besser eignet sich der Sitz für Mittagsschläfchen unterwegs.
Reifen und Federung
Die Reifenart beeinflusst Komfort und Wartungsaufwand. Luftreifen federn Unebenheiten am besten ab, brauchen aber gelegentlich Luft und können einen Platten bekommen. Schaumstoff-, EVA- und Vollgummireifen sind pannensicher und wartungsarm, sie sind dafür härter und übertragen Stöße stärker an das Kind.
Die Federung sitzt je nach Gerät im Rahmen, an einzelnen Rädern oder an allen vier Rädern. Eine Einzelradfederung, wie sie der ABC Design Salsa 5 Air hat, gleicht Unebenheiten pro Rad aus. Ein größerer Raddurchmesser hilft zusätzlich: Die Hinterräder messen in diesem Vergleich zwischen rund 23 und 28 cm.
Eine hohe Federung ist nicht nur eine Frage des Komforts. Auf Kopfsteinpflaster und Bordsteinen werden Erschütterungen über Gestell und Wanne an das Kind weitergegeben. Je weicher das Gerät federt, desto ruhiger bleibt es, besonders bei schlafenden Säuglingen. Größere Räder rollen außerdem leichter über Bordsteine und Wurzeln, brauchen aber etwas mehr Platz im Kofferraum.
| Reifenart | Vorteil | Nachteil |
|---|
| Luftreifen | Beste Dämpfung | Pumpe nötig, Plattengefahr |
| EVA oder Schaumstoff | Pannensicher, wartungsarm | Härteres Fahrgefühl |
| Vollgummi | Sehr robust | Höheres Gewicht, wenig Dämpfung |
| PU, wartungsfrei | Pannensicher, leicht | Dämpfung vom Gerät abhängig |
Gewicht, Faltmaß und Schieber
Im Alltag zählt weniger der Gesamtwert als das, was Sie tatsächlich heben. Das Gestell wiegt bei den Geräten mit Angabe zwischen 7,5 und 10,1 kg, mit Sportsitz zwischen etwa 8,5 und etwa 14,9 kg. Jedes zusätzliche Kilo spürt man an der Wohnungstreppe oder an der Ladekante des Kofferraums.
Messen Sie vor dem Kauf den Kofferraum und vergleichen Sie ihn mit dem gefalteten Gerät. Die Faltmaße reichen von 45 x 60 x 77,5 cm bis 94 x 64 x 30 cm. Entscheidend ist, ob das Gerät mit oder ohne Räder und mit oder ohne Sitz gemessen wurde, denn die Hersteller geben das uneinheitlich an.
Die Schieberhöhe sollte zu Ihrer Körpergröße passen. Liegt der Griff zu niedrig, geht die Haltung ins Hohlkreuz. Mehrere Geräte bieten Verstellbereiche von etwa 93 bis 107,5 cm.
Wer Wanne und Sitz regelmäßig wechselt, sollte auf einen Mechanismus achten, der ohne Adapter auskommt. Beim Moon Resea 2.0 nennt der Händler eine adapterlose Höhenverstellung für Wanne und Sitz. Ein einfacher Wechsel spart Zeit, wenn das Kind schläft und der Aufbau schnell erfolgen muss.
Babyschale und Reisesystem
Mehrere Sets enthalten eine Babyschale, die sich auf das Gestell klicken lässt. Das ist praktisch, wenn das schlafende Kind nicht umgebettet werden soll. Babyschalen nach der Norm UN R129, besser bekannt als i-Size, richten sich nach der Körpergröße des Kindes und werden rückwärtsgerichtet eingebaut.
Die Schale gehört fest ins Auto, am sichersten mit einer Isofix-Basis. Ein reiner Gurteinbau ist möglich, aber meist mühsamer. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob eine Isofix-Basis dabei ist und welche Schalen auf das Gestell passen. Adapter für fremde Schalen sind bei einigen Herstellern im Lieferumfang, bei anderen kosten sie extra.
Wer bereits eine Schale besitzt, braucht kein Set mit Schale und spart Geld. Bei den zehn Geräten dieses Vergleichs sind Moon, Maxi-Cosi, Cybex, ABC Design und das Hauck Move N Care Set ohne Babyschale aufgeführt. Bei Hauck liegt dann nur ein Adapter für verschiedene Babyschalen bei.
Laufende Kosten und Rechenbeispiel
Ein Kinderwagen verursacht nach dem Kauf wenig Kosten. Wer ihn pflegt, rechnet mit Ersatzreifen oder Schläuchen, einem Regenschutz oder einem Fußsack. Ein Ersatzreifensatz für ein Modell von Bergsteiger kostet bei Otto 27,90 Euro, das zeigt die Größenordnung.
Aussagekräftiger ist der Preis pro Nutzungsmonat. Bei einer Nutzungsdauer von vier Jahren, also 48 Monaten, ergibt sich für drei Geräte aus dem Vergleich:
| Kaufpreis | Kosten pro Monat | Beispiel |
|---|
| 100 Euro | 2,10 Euro | Einfaches Set |
| 360 Euro | 7,50 Euro | Mittleres Gerät |
| 700 Euro | 14,60 Euro | Hochpreisiges Gerät |
Wer ein zweites Kind erwartet oder das Gerät später verkauft, senkt die Kosten weiter. Rechnet man bei einem Gerät für 700 Euro mit einem Wiederverkaufspreis von 280 Euro, bleiben 420 Euro, das sind 8,75 Euro pro Monat. Der Wiederverkaufswert ist eine Annahme und hängt vom Zustand ab.
Aufbau, Handhabung und Alltag
Die meisten Geräte werden teilmontiert geliefert. Rechnen Sie mit etwa einer halben Stunde, um Räder, Aufbauten und Verdeck anzubringen. Wer das Gerät häufig ins Auto lädt, profitiert von einer Einhand-Faltung, wie sie etwa Moon und Hauck angeben. Eine Zweihand-Faltung, wie sie ABC Design nennt, braucht mehr Übung.
Ein höhenverstellbarer Schieber, eine Feststellbremse und ein Korb, der mindestens 3 kg trägt, gehören zur Grundausstattung. Größere Körbe mit 5 bis 10 kg Tragkraft erleichtern den Einkauf, sollten aber nur im vom Hersteller genannten Rahmen belastet werden.
Ein wichtiger Punkt ist das Verdeck. Mehrere Hersteller geben für das Verdeck einen UV-Schutz mit UPF 50+ an. Das bedeutet, dass höchstens zwei Prozent der UV-Strahlung durchgelassen werden.
Für den Alltag zählt außerdem, wie sich das Gerät im Treppenhaus verhält. Wer eine Wanne mit Tragegriff nutzt, kann das Kind mit Wanne tragen, wenn der Hersteller dies ausdrücklich erlaubt. Ohne diese Freigabe sollte das Kind vor dem Tragen herausgenommen werden.
Pflege, Wartung und Sicherheit
Bezüge lassen sich bei einigen Herstellern in der Maschine bei niedriger Temperatur waschen, so etwa bei Lionelo laut Amazon-Datenblatt. Prüfen Sie immer die Pflegeanleitung, bevor Sie einen Bezug waschen. Verdeck und Matratze trocknen am besten an der Luft.
Kontrollieren Sie regelmäßig Bremsen, Räder und die Verbindungen von Wanne und Sitz mit dem Gestell. Luftreifen sollten nur mit dem vom Hersteller angegebenen Druck befüllt werden. Ein Tropfen Schmieröl an den Gelenken der Faltmechanik verhindert Klemmen. Verwenden Sie nur Ersatzteile, die der Hersteller für das Modell freigibt.
Nehmen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt im Gerät auf einer Fläche ab, die nicht eben ist. Ziehen Sie die Feststellbremse, bevor Sie das Kind hinein- oder herausheben.
Typische Fehler beim Kauf und Fachbegriffe
Häufige Fehler beim Kauf lassen sich vermeiden. Viele Käufer vergleichen nur den Preis und übersehen, dass der Lieferumfang stark schwankt. Andere kaufen ein schweres Gerät, obwohl sie im vierten Stock ohne Aufzug wohnen. Wieder andere unterschätzen den Platzbedarf im Kofferraum und stellen erst nach der Lieferung fest, dass das gefaltete Gerät nicht passt.
Hilfreich ist es, Datenblatt und Bewertungen zu vergleichen. Eine hohe Zahl an Bewertungen sagt mehr als ein einzelner Wert mit wenigen Stimmen. Unterscheiden Sie auch, ob sich eine Bewertung auf das Set oder nur auf ein Zubehörteil bezieht.
| Begriff | Bedeutung |
|---|
| 2in1, 3in1, 4in1 | Anzahl der Aufbauten im Set |
| i-Size (UN R129) | Norm für Babyschalen nach Körpergröße |
| Isofix | Feste Verbindung der Basis mit dem Autositz |
| UPF 50+ | Verdeck lässt höchstens 2 Prozent UV-Strahlung durch |
| AGR | Siegel der Aktion Gesunder Rücken |
| EVA | Leichter, pannensicherer Kunststoffschaum für Reifen |
Häufige Fragen zu Kinderwagen
Wie lange passt ein Kind in die Babywanne?
Die Hersteller nennen für die Babywanne meist ein Höchstgewicht von 9 kg oder ein Alter von etwa sechs Monaten, so etwa Maxi-Cosi, Cybex und Lionelo. Entscheidend ist, ob das Kind noch bequem liegt. Sobald es sich selbstständig aufsetzt oder mit dem Kopf an das Wannenende stößt, ist der Wechsel zum Sportsitz fällig.
Ab wann darf ein Kind im Sportsitz sitzen?
Mehrere Hersteller geben den Sportsitz in der Liegeposition ab der Geburt frei, so nennt Maxi-Cosi den Sitz für Kinder von der Geburt bis etwa vier Jahre. Die Rückenlehne sollte dann möglichst flach gestellt sein. Lesen Sie die Herstellerangabe zu Ihrem Gerät, denn die Freigaben unterscheiden sich von Modell zu Modell.
Brauche ich eine Babyschale im Set?
Nein. Wer bereits eine Babyschale besitzt oder sie getrennt kaufen möchte, kommt mit einem 2in1-Gerät aus. In diesem Vergleich sind Moon, Maxi-Cosi, Cybex, ABC Design und das Hauck Move N Care Set ohne Babyschale aufgeführt. Für die Schale sind Adapter nötig, die je nach Hersteller im Lieferumfang liegen oder extra kosten. Prüfen Sie die Kompatibilität vor dem Kauf.
Luftreifen oder pannensichere Reifen?
Luftreifen federn Unebenheiten am besten ab und eignen sich für Feld- und Waldwege. Sie brauchen aber gelegentlich Luft und können einen Platten bekommen. Pannensichere Reifen aus Schaumstoff, EVA, Gummi oder PU sind wartungsarm und fallen weniger aus, sie sind dafür härter. Für überwiegend ebene Stadtwege reichen sie meist aus.
Wie schwer darf ein Kinderwagen sein?
Eine feste Grenze gibt es nicht, wichtig ist, was Sie heben müssen. In diesem Vergleich liegt das Gewicht mit Sportsitz bei den Geräten mit Angabe zwischen etwa 8,5 kg und etwa 14,9 kg. Wer Treppen steigt oder oft im Auto verstaut, profitiert von Geräten unter etwa 12 kg.
Was kostet ein guter Kombikinderwagen?
Die zehn Geräte dieses Vergleichs kosten zwischen rund 100 und rund 900 Euro. Bei einer Nutzungsdauer von 48 Monaten entspricht das Kosten von etwa 2,10 bis etwa 18,80 Euro pro Monat. Teurere Geräte bieten häufig Luftreifen, eine leichtere Wanne oder eine bessere Federung, günstige Sets enthalten dafür mehr Zubehör.
Wie pflege ich den Kinderwagen richtig?
Prüfen Sie zuerst die Pflegeanleitung. Einige Hersteller geben die Bezüge für die Maschinenwäsche bei niedriger Temperatur frei, etwa Lionelo laut Amazon-Datenblatt. Räder, Bremsen und die Verbindungen von Wanne und Sitz sollten regelmäßig kontrolliert werden. Luftreifen füllen Sie nur mit dem vom Hersteller angegebenen Druck.
Gibt es Ersatzteile für günstige Modelle?
Bei vielen Marken bieten Hersteller oder Händler Ersatzreifen, Schläuche und Zubehör an. Ein Ersatzreifensatz für ein Bergsteiger-Modell kostet bei Otto beispielsweise 27,90 Euro. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob für Ihr Modell Ersatzteile gelistet sind, besonders bei sehr günstigen Sets von weniger bekannten Marken.
Was bedeutet UPF 50+ am Verdeck?
UPF steht für Ultraviolet Protection Factor. Ein Verdeck mit UPF 50+ lässt höchstens zwei Prozent der UV-Strahlung durch. Mehrere Hersteller in diesem Vergleich, etwa Hauck, Lionelo und Cybex, geben diesen Schutz an. Das Verdeck ersetzt weder Sonnencreme noch Schatten bei starker Mittagssonne, es verringert aber die Strahlung auf das Kind.